Nicaragua: Deutsche Steuergelder zerstören die Umwelt
In Nicaragua verstehen die Kleinbauern der Kooperative von El Castillo die Welt nicht mehr. Mit viel Aufwand bildeten sie sich in den letzten Jahren fort, um verschiedene landwirtschaftliche Produkte ökologisch nachhaltig anzubauen. Diese Arbeit hat ihr Leben grundlegend verbessert. Das Projekt sollte den Einwohnern von El Castillo ein nachhaltiges Einkommen sichern und verhindern, dass sie aus Not im Biosphärenreservat holzen und wildern, um zu überleben.
Doch nun werden ihre Felder von einer Palmölplantage der Aktiengesellschaft Palmares de El Castillo SA (PALCASA) bedroht. „Das Kuriose daran ist, dass sowohl die Ausweitung der Plantage als auch die Bauern von der deutschen Entwicklungshilfe finanziell unterstützt werden“, wundert sich Saúl Obregón von der Organisation Fundacion del Rio. „Dabei bedrohen die Palmöl-Monokulturen die jahrelange Arbeit der Bauernkooperative und unsere Umwelt.“
In der Anfangsphase rodete das Unternehmen Wald zum Aufbau der Plantage. Da in unmittelbarer Nähe des Projektes das streng geschützte Biosphärenreservat Indio Maíz liegt, schritten die Behörden ein. Um trotzdem weiteres Land zu bekommen, versprach das Unternehmen den Bauern Arbeit und gutes Einkommen. Dafür verkauften mehrere Familien ihre Höfe und gaben die Landwirtschaft auf. Saúl Obregón bestätigt, dass die Bauern wie versprochen eine Arbeit auf den Plantagen bekommen hätten. „Das Problem jedoch ist, dass die Löhne so niedrig sind, dass sie den Verkauf der Höfe nicht aufwiegen können.“
Auf diesem Land soll die Plantage jetzt erweitert werden – mit 5,4 Millionen Euro der staatlichen Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Ende 2010 ließ die DEG die Palmöl-Plantage durch das deutsche Unternehmen Unique als Forstinvestment prüfen. Auf Nachfrage erklärt Unique: „Die Mehrzahl der Bauern bereut den Landverkauf. Außerdem hat die Plantage vermutlich auch das Wasser verseucht.” Die Bedrohung des Ökosystems durch veränderte Bodennutzung, den Einsatz von Chemikalien und die Änderung der lokalen Sozialstruktur wird immer wieder betont.
Obregón kritisiert zudem die Landkonzentration in den Händen eines einzigen Unternehmens. Dadurch kommt es zum klassischen Landkonflikt mit einem Großunternehmen, bei dem Kleinbauern immer benachteiligt sind. „Was kann denn intelligenter sein als eine Landnutzung, die Umwelt und Menschen schützt?“, fragt er. „Die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt doch, dass die Kleinbauern in Rio San Juan eine Landwirtschaft betreiben, welche Umwelt und Menschen gut tut. Die Ölpalme ist für uns keine Lösung.”
Indio Maíz im Südosten Nicaraguas ist das zweitgrößte Regenwaldschutzgebiet des Landes. Im Reservat leben 70-80 Prozent aller Tierarten des zentralamerikanischen Staates, ein Fünftel davon sind bedrohte Spezies – zum Beispiel große Raubkatzen wie der Jaguar und seltene Seekühe. Außerdem ist es ein einzigartiges Vogelschutzgebiet mit mehr als 270 verschiedenen Arten. Bei Nicaragua Reisen in den empfindlichen Nationalpark Indio Maiz bei der El Castillo sollten Sie auf einen nachhaltigen Reiseveranstalter setzen.
Quelle: latina press und Rettet den Regenwald e.V









